Liedtexte
Vasyl Barvinsky
Traum (“Ich hatte einst ein schönes Vaterland”) Text Heinrich Heine, Ukr. Übersetzung Ahatanhel Krymsky
Ich hatte einst ein schönes Vaterland.
Der Eichenbaum wuchs dort so hoch,
die Veilchen nickten sanft –
Es war ein Traum.Ich hörte meine Muttersprache.
Und jemand sagte auf unsre Art das Wort:
“Ich liebe dich” –
Es war ein Traum.
Stanislaw Ljudkewitsch
Sakrament Оleksander Oles, übersetzt von Stefania Ptaschnik
Jemand denkt noch an mich,
Jemand will bei mir sein,
Und er fliegt auf den Flügeln der Nacht,
Wie eine Taube, über mir.
Der Nebel schwindet
Vom Klang wundersamer Worte,
Und aus den Himmelsaugen
Gießt mir jemand Balsam auf die Wunde.
Vasyl Barvinsky
Abends zuhause Bohdan Lepky, Übersetzung Roksolana Chraniuk
In tiefen, ruhigen Schlaf
Fiel alles rings umher,
Nur der Wind heult unterm Fenster
Einen traurigen Psalm.
Durchs Glas der Scheiben hört man vage
Hie und da, wie die Regentropfen fallen,
Schwer, gleich dem Quecksilber.
Und an der Tür klopft es leicht:
Klopf-klopf! Klopf-klopf!
Der geheimnisvolle, vertraute Klang
unsichtbarer Hände.
“Wer naht?”Frage ich,
noch halb im Traum.
“Ich bin’s, ich bin’s,
Deine alte Freundin,
Die Schwermut, die Schwermut…”
Mykola Lysenko
Oh, leuchte nicht, Mond! (Arrangement eines Volsliedes)
Oh, leuchte nicht, Mond,
Scheine niemandem.
Scheine nur meinem Liebsten,
Wenn er nach Hause geht.
Leuchte ihm früh am Morgen,
Und vertreibe die Wolken.
Aber wenn er eine andere hat,
Dann geh hinter die Wolken.
Der Mond leuchtete, er leuchtete hell,
Und ging hinter die Zäune.
Und ich, arm, weine bitterlich:
Mein Liebster hat mich betrogen!
Mykola Lysenko
Die Weise eines Flötenspielers Taras Schewtschenko, übersetzt von Stefania Ptaschnik
Ich stampfte den Pfad
Durch die Schlucht
und über den Berg, mein Herz,
bis hin zum Markt.
Ich verkaufte Semmeln an die Kosaken,
und bekam dafür, mein Herz,
einen ganzen Fünfer.
Einen Zweier vertrank ich dann,
und einem Flötenspieler zahlte ich eine Kopeke.
Spiel mir, Musiker, ein Lied auf deiner Flöte,
Damit ich mein Unglück vergesse.
So ein Mädchen bin ich, ja bin ich!
Heirate mich, mein Herz, das will ich!
Vasyl Barvinsky
Felder, ihr Felder Oleksander Konyskyj, Übersetztung Stefania Ptaschnik
Ach ihr Felder! Du Muttererde!
Wieviel Blut und Tränen hat der Wind verstreut?!..
Er trug sie zum Dnipro und zum Dnister,
Ins Schwarze Meer;
den Bosphorus tränkte er mit Blut!
Dnipro, du alter Greis!
All dein Gewässer schenkst du dem Meer,
Von den Tränen hast du geschöpft;
in den Dniester und den Prut fließt kein Wasser.
Es war nicht das Wasser,
das unsere Felder und Täler begoss;
es waren des Volkes Tränen,
die das Wasser aus den Ufern steigen ließen.
Vasyl Barvinsky
Wiegenlied Hryhory Chuprynka, Übersetzung Roksolana Chraniuk
Wie liebevoll und unbeschreiblich schön
Streut der Mond seine Strahlen auf die Wiege!
Nur leicht ist er vom Nebel umhüllt.
Wie Münzen, im Fenster, erscheint ein Muster –
Sternengleich glühende Glasperlen streuend.
Schlaf, Kindlein, Engelein,
Solang du noch von dieser Zaubernacht, der Welt entrückt.
Solang du noch in goldenen Sternen,
Wie in schimmernden Geheimnissen
Wie verzaubert liegst.
Boris Ljatoschinski
Oh, ich habe schwarze Augenbrauen Arrangement eines Volksliedes
„Oh, ich habe schwarze Augenbrauen und braune Augen!
Warum willst du mich nicht lieben, mein Kosak?“
„Wenn du willst, dass ich dich liebe, Mädchen,
baue eine Brücke über die Schlucht, damit ich gut gehen kann!“
„Ach, wenn ich, mein Kosak, meine Handwerker hätte,
würde ich dir eine Brücke über die Schlucht bauen.
Komm, komm, mein Liebster, komm am Abend zu mir!
Meine alte Mutter hat Abendessen für dich zubereitet.
Wir werden im Vorraum auf der Schwelle zu Abend essen
und schauen, wer welche Augenbrauen hat!“
Boris Ljatoschinski
Sie tragen den Kosaken Arrangement eines Volksliedes
Den Kosaken tragen sie und das Pferd führen sie,
Das Pferd senkt den Kopf.
Und hinter ihm seine Freundin
Brechen ihre weißen Hände.
Oh, brich, brich deine weißen Hände
Bis zum letzten Finger,
Und du wirst keinen finden, Mädchen,
Einen Geliebten über den Kosaken.
Vasyl Barvinsky
Sei glücklich Bohdan Lepky, übersetzt von Stefania Ptaschnik
Sei glücklich, möge dein schöner Körper
Den Weg gehen, den die Leute gehen,
Und das bedrückte Herz mag schüchtern
Am Tor des Paradieses schlendern.
Und wenn auch diese Zwiespalt schmerzt,
Und wenn auch Beine und Hände bluten,
So lass uns daran erfreuen!
Nach langen Tagen Trennung
Kommt das Wiedersehen ganz gewiss, –
Vereinigung für jene, die nun lange getrennt,
die Ironie des Schicksals ertrugen.
Die Liebe, ursprünglich, unsterblich wie Gott,
Ist stärker als das Schicksal!
Vasyl Barvinsky
Wieder Frühling Lesia Ukrajinka, übersetzt von Stefania Ptaschnik
Der Frühling ist wieder da, und wieder
Erwachen Hoffnungen im kranken Herzen,
Erneut wiegen mich Träume ein,
Träume vom Glück.
Schöner Frühling! Liebe Träume!
Meine glücklichen Träume!
Ich liebe euch, auch wenn ich weiß,
Dass ihr wankelmütig seid…
Stanislaw Ljudkewitsch
Tscheremosch, mein Bruder! Bohdan Lepky, übersetzt von Stefania Ptaschnik
Tscheremosch, mein Bruder
Beschleunige deinen Lauf!
Auf deinen kalten Rücken
lege ich eine schwere Last
– meine Trauer!
Sie ist so schwer,
Wie ganze Wälder,
Bodenlos wie eine Schlucht.
Bringe sie fort, dorthin,
Wo der Felsen unterm Wasser liegt!
Boris Ljatoschinski
Biegt euch, dichte Reben Arrangement eines Volksliedes
Neigt euch, dichte Reben,
Woher der Wind weht!
Schaut, braune Augen,
Woher der Liebste kommt.
Die dichten Reben neigten sich,
Aber dann hörten sie auf.
Die braunen Augen schauten,
Aber dann fingen sie an zu weinen.
Boris Ljatoschinski
Oh am Haine Arrangement eines Volksliedes
Oh, am Haine, am Haine,
Unter Dornengestrüpp,
Da knackte mein Liebster eine Nuss
und gab mir den Kern.„Oh, hier, meine Liebste,
ein Nüsschen für dich!
Doch liebte dich ein anderer,
Schmerzt’ mir das Herz!““Und wenn’s dir gefällt,
Dann schirme dich ab,
Und wenn mich ein anderer liebt,
Schau nicht dort hin!“
Vasyl Barvinsky
Psalm Davids Psalm 95, Passagen des Psalmes aus der Luther Bibel
Oh Gott der Rache, erbarme dich.
Leuchte inmitten deines Volkes
Komm um deine Erde zu richten,
gib den Stolzen ihren Lohn.
Wie lange, Herr, sollen die Faulen frohlocken?
Wie lange sollen sie noch herrschen?
Und ihre Faulheit hoch preisen?
Vernichten dein Volk die Gottlosen,
Hast du gesehen?
Soll man den Verstand den Verständigen geben,
wenn sie unweise handeln?
Der Herr kennt die menschlichen Gedanken,
Er weiß um ihre Eitelkeit.
Wohl dem, den du, Herr, mit deinem Gesetz züchtigst,
damit er Ruhe im Unglück erfährt,
Bis dem Sünder die Grube gegraben wird.
Du wirst dein Volk nicht verstoßen,
Dein Erbteil nicht verlassen
Und das Gericht kehrt zur Gerechtigkeit zurück
Und es werden sich erfreuen,
die gerechten Herzens sind.
Vladislav Zaremba
Ich blick in den Himmel M. Petrenko, Arrangement eines Volksliedes
Ich blick in den Himmel und denke dabei:
Warum bin ich kein Falke, warum kann ich nicht fliegen?
Warum, Gott, hast du mir keine Flügel gegeben?
Ich würde die Erde verlassen und in den Himmel fliegen.
Weit hinter die Wolken, weit weg von der Welt,
Um mein Glück zu suchen, zum Leidwesen aller!
Und um die Zärtlichkeit der Sonne und der Sterne zu erbitten,
Um mich in ihrer klaren Welt zu zeigen
Und mein Schicksal zu suchen!
Vasyl Barvinsky
Ich sank in Schlaf Vasyl Tschaitschenko, Übersetzung Roksolana Chraniuk
Ich sank in Schlaf,
Umhüllt von schwerem Kummer.
Es umarmten mich güldene Träume,
Welche dich mir vor Augen führten,
Meines Frühlings erste Blume.Und alles,
was ich vom Schicksal verlange
All das Glück, auf das ich gewartet habe,
In diesen Momenten der unendlichen Liebe,
Die ich mit dir erlebt habe.
Biografien
Margarita Greiner – Mezzosopran

Gebürtige Ukrainerin kam mit 15 Jahren nach Deutschland. Begann noch in ihrer Heimat mit
Klavierunterricht, studierte später Klavier an der HMT Leipzig. Ab 2010 folgten das Studium Operngesang an der HfM Weimar in der Klasse von S.Lahm sowie am Conservatorio „Giuseppe Verdi“ in Mailand im Rahmen des Erasmus-Programms in der Klasse von Prof.S.Doz, Meisterkurse bei Prof.K.-P. Kammerlander, Prof.T.Heyer, Prof.K.Hanser und anderen. Die Mezzosopranistin debütierte als Argene (F.Conti „Penelope“) beim Festival für Alte Musik „Güldener Herbst“ 2013 in Gotha mit dem Barockorchester La Folia. Nach ihrem Master-Abschluss 2018 ist M.Greiner als 2.Alt mit Soloaufgaben im Chor der Deutschen Oper Berlin engagiert. Die Mezzosopranistin ist Finalistin und Preisträgerin mehrerer internationaler Gesangswettbewerbe.
Roksolana Chraniuk -Alt

Die Altistin Roksolana Chraniuk ist Absolventin der Universität der Künste Berlin, wo sie ihr Gesangsstudium mit Schwerpunkt Lied/Oratorium erfolgreich absolvierte. Als Konzertsängerin ist sie in den Solopartien der großen Oratorien Bachs sowie mit Händels “Messiah”, aber auch in weniger bekannten Werken von D. Bortnjanski, A. Dvorak, G. Rossini und Luigi Nono aufgetreten. Außerdem gestaltete sie Liederabende, unter anderem mit “Wunderhorn”- und Rückert-Liedern von Gustav Mahler in Dresden, auf Burg Namedy (Rheinland-Pfalz), für das Festival “Leszno Barok plus” in Polen und das 13. Lviv Organ Hall Festival in der Ukraine. Besonders am Herzen liegt ihr die Verbreitung ukrainischer Kunstlieder – so sang sie u.a. Lieder von Stefania Turkewich, Vasyl Barvinsky und Kyrylo Stetsenko in Berlin, Dresden, und in ihrem Herkunftsland Ukraine. Im Frühjahr 2022 erschien bei auris subtilis die CD-Produktion “Seel an Seele” mit Liedern Vasyl Barvinskys im Kontext ausgewählter Lieder von Richard Wagner und Richard Strauss. Seit 2007 ist sie Mitglied des Rundfunkchores Berlin. roksolanachraniuk.com
Georg Streuber-Chraniuk – Bariton

Studierte klassischen Gesang bei Matthias Weichert an der Hochschule für Musik „Carl-Maria von Weber“ in Dresden, wo er als Student in der Liedklasse von Ulrike Siedel und Olaf Bär sowie in Meisterklassen bei Gastdozenten wie Gerold Huber, Peter Schreier, Evelyn Herlitzius und Camilla Nylund seine Kenntnisse vertiefen konnte. Nach Abschluss des Studiums 2013 waren Magdalena Hajossyová, Allison Oakes und seit 2018 Verena Rein wichtige Mentorinnen seiner stimmlichen Entwicklung. 2011 gewann er den ersten Preis beim internationalen Duschek-Gesangswettbewerb in Prag, und 2012 erhielt er beim Lions Gesangswettbewerb im bayerischen Bad Endorf den Sonderpreis für Liedgestaltung. Seit 2003 sind Liederabende, Oratorien- und sinfonische Konzerte Schwerpunkt seiner künstlerischen Laufbahn. Dabei arbeitete er mit Dirigenten wie Peter Schreier, Simon Halsey, Georg Christoph Biller, Kiril Petrenko, Carlo Montanaro und Robin Ticciati. Einladungen zu Liederabenden führen ihn nebst nationalen Konzertsälen in die Niederlande, Ukraine, Tschechien, Schweiz und nach Rumänien. Gastspielverpflichtungen führten ihn unter anderem in die Operntheater und auf Festivals nach Dresden, Aschaffenburg, Berlin, Bad Hersfeld, Chemnitz, Fulda, und Plauen/Zwickau. Seit 2018 ist er festes Mitglied im Rundfunkchor Berlin. In den Jahren 2012-18 war er außerdem Mitglied des Bayreuther Festspielchores. georgstreuber.com
Alina Pronina – Klavier

In Kyiv (Ukraine) geboren, erhielt mit fünf Jahren ihren ersten Klavierunterricht. Von 1997 bis 2000 studierte sie am dortigen Gliere-Konservatorium und besuchte Meisterkurse bei D. Joffe, N. Fisher, B. Goetzke und L. Berman. 2006 legte sie nach fünfjährigem Studium in der Klasse von Prof. Galina Iwanzowa an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ (Berlin) ihr Diplom und 2008 das Konzertexamen ab. Während des Studiums wurde sie Preisträgerin der internationalen Wettbewerbe „Tradition und Gegenwart“ in St. Petersburg, Russland (1995), „Kunst des 21. Jahrhunderts“ in Worsel, Ukraine (1999) sowie des Internationalen Wettbewerbs für junge Pianisten in Ettlingen, Deutschland (2002). 2007 gewann sie den Berliner Steinway-Wettbewerb, wurde zur Stipendiatin von „Yehudi Menuhin – Live Music Now“ und bekam mit dem Trio Some Handsome Hands den ersten Preis beim Internationalen Wettbewerb für mehrhändiges Klavierspiel in Marktoberdorf, Deutschland. Seit 2009 ist die Pianistin beim Staatsballett Berlin tätig. Im Rahmen diverser Theateraufführungen und Konzerte spielte sie mit der Staatskapelle Berlin, dem Orchester der Deutschen Oper Berlin, dem Filmorchester Babelsberg sowie den Essener Philharmonikern.
Mehrere Kammermusik-Einspielungen sind bei Brilliant Classics und AMA Records erschienen. Alina Pronina wirkte außerdem sie bei TV-Produktionen von ZDF, RBB, MDR und ARTE mit.
Komponisten

1888 in Ternopil geboren, erhielt Vasyl Barvinsky (1888-1963) nach erstem Musikunterricht im Elternhaus seine professionelle Ausbildung am Konservatorium von Lemberg (heute Lviv/Ukraine) und setzte seine Klavier- und Kompositionsstudien dann in Prag bei Vilém Kurz und Vitĕzslav Novák fort. Danach kehrte er nach Lemberg zurück, wo er in den Jahren 1915-39 die Lysenko-Hochschule für Musik leitete und danach als Professor für Klavier und Komposition am dortigen Konservatorium unterrichtete. Nach einer Denunziation wurde er 1948 verhaftet und verbrachte die folgenden zehn Jahre im Gefängnis. Seine Werke wurden verboten, und sämtliche vor Ort vorhandene Noten und Manuskripte öffentlich verbrannt. Das Andenken an ihn als „Volksfeind“ sollte ausgelöscht werden. Nach seiner Freilassung 1958 (eine offizielle Rehabilitierung erfolgte erst posthum 1964) bemühte er sich nach Kräften, einige seiner vernichteten Werke aus dem Gedächtnis zu rekonstruieren, was aufgrund der Sonderbehandlung bei den vorausgegangenen Verhören mit bleibenden Schäden erfolglos blieb. Als Komponist konnte er jedoch an die frühere Anerkennung nicht mehr anknüpfen, und sein Schaffen geriet vollends in Vergessenheit. Sein Stil verbindet in eigentümlicher Weise Spätromantik mit impressionistischen Anklängen. Auch ist der Einfluss von Richard Strauss, dessen Erfolgsopern er in Prag erleben konnte, nicht zu überhören. (Text von Dietmar Hiller)

Mykola Lysenko (1842-1912) ist der Vater der modernen ukrainischen klassischen Musik. Sein umfangreiches Lebenswerk legte den Grundstein für die weitere Entwicklung und Verbreitung der ukrainischen Musikkultur. Er beeinflusste eine große Gruppe ukrainischer Komponisten, darunter Stetsenko, Stepovyi, Leontovych, Koshyts und Liudkevych. Eine Sammlung von Lysenkos Werken in 22 Bänden wurde zwischen 1950 und 1959 in Kiew veröffentlicht. Lysenko war Komponist, Ethnomusikologe, Pianist und Dirigent. Er studierte an den Universitäten von Charkiw und Kyjiw und später am Leipziger Konservatorium bei Reinicke und Richter (1867–69). Von 1874 bis 1876 studierte er Orchestrierung bei Rimski-Korsakow in St. Petersburg. Im Jahr 1904 gründete er seine eigene Musik- und Schauspielschule in Kyjiw. Zu Lysenkos Opernkompositionen gehören „Die Kosaken vom Schwarzen Meer“ (1872), drei Opern nach Werken des ukrainischen Schriftstellers Mykola Hohol – „Weihnachtsnacht“ (1873–82), „Die ertrunkene Jungfrau“ (1883) und „Taras Bulba“ (1890) – sowie die Operetten „Natalka aus Poltawa“ (1889) und „Aeneas“ (1911). Lysenko, selbst ein bekannter Pianist, komponierte eine Klaviersonate, zwei Rhapsodien, eine Suite, ein Scherzo und ein Rondo sowie eine Fülle kleinerer Stücke, darunter Lieder ohne Worte, Nocturnes, Walzer und Polonaisen. Außerdem schrieb er eine Reihe von Werken für Streicher. Unter den ukrainischen Komponisten widmete sich Lysenko am intensivsten dem Genre der Kunstlieder. Lysenkos 133 Kunstlieder (lirychni pisni auf Ukrainisch) erzählen eine wunderbar anschauliche und leidenschaftliche Geschichte des europäischen Lebens im 19. und frühen 20. Jahrhundert. (Quelle Ukrainian Art Song Project)

Boris Ljatoshinski (1895-1968), Komponist, Dirigent und Lehrer, war ein führendes Mitglied der neuen Generation ukrainischer Komponisten des 20. Jahrhunderts und wird heute als Vater der zeitgenössischen ukrainischen Musik verehrt. Lyatoshynsky kam 1914 aus seiner Heimatstadt Zhytomyr nach Kyjiw und schrieb sich an der juristischen Fakultät der Universität Kyjiw ein, während er sein Musikstudium am neuen Kyjiwer Konservatorium in der Kompositionsklasse von Reinhold Gliére fortsetzte, mit dem ihn eine lebenslange Beziehung verband. Nach Abschluss seines Jurastudiums im Jahr 1918 schloss er 1919 sein Studium am Konservatorium ab, wo er bald eine Stelle als Lehrer und später als Professor annahm und diese Verbindung bis zu seinem Tod aufrechterhielt. Von 1935 bis 1938 und von 1941 bis 1944 lehrte er gleichzeitig am Moskauer Konservatorium. Als Komponist schrieb er eine Vielzahl von Werken, darunter fünf Sinfonien, sinfonische Dichtungen und andere kürzere Orchesterwerke, Chor- und Vokalmusik, zwei Opern, Kammermusik und eine Reihe von Werken für Soloklavier. Seine frühesten Kompositionen waren romantisch und lyrisch im Stil und vor allem von seiner Wertschätzung für die Musik von Schumann und Borodin beeinflusst. Zur Zeit seiner Sinfonie Nr. 1, seiner Abschlusskomposition, begann er, sich von der impressionistischen Musik Skrjabins beeinflussen zu lassen, aber mit seiner Klaviersonate Nr. 1 von 1924 wandte er sich schließlich von der Tradition ab und wandte sich der neuen Musiksprache Mittel- und Westeuropas, der Atonalität, zu. Diese Phase dauerte bis 1929, als sich allmählich immer mehr Anzeichen für eine Vereinfachung der Harmonien zeigten, die den Grundzügen der ukrainischen Volksmusik folgten, mit vermehrten Bezügen zu den Volksliedern und der Musik der Ukraine, wobei er sich auf die früheren Forschungen von Mykola Lysenko auf diesem Gebiet stützte. (Quelle: Naxos)

Stanyslav Liudkevitsch (1879-1979) studierte zunächst Komposition bei seiner Mutter, einer Schülerin von Mykhailo Verbytsky, der die Musik zur ukrainischen Nationalhymne komponierte. Während seines Studiums war Liudkevych Schüler von Sołtys am Konservatorium in Lviv (Lemberg). Anschließend studierte er in Wien bei Alexander Zemlinsky, Hermann Grädener und Guido Adler und besuchte sogar Vorlesungen von Hugo Riemann in Deutschland. 1908 trat er die Nachfolge von Anatole Vakhnianyn als Direktor des Lysenko-Instituts an. Während des Ersten Weltkriegs wurde Liudkevych in die österreichische Armee eingezogen. Von den Russen gefangen genommen, verbrachte er einige Zeit als Kriegsgefangener in Kasachstan. 1919 nahm er seine Arbeit am Institut in Lviv wieder auf. 1936 wurde Liudkevych Leiter der musikwissenschaftlichen Kommission der Schewtschenko-Wissenschaftsgesellschaft. Von 1940 bis 1972 lehrte er am Staatlichen Konservatorium in Lviv. Obwohl Liudkevych ein Komponist des 20. Jahrhunderts war, behielt er eine postromantische Klangsprache bei, die später durch den sowjetischen Neofolklorismus gemindert wurde. Sein kreatives Schaffen litt unter dem sowjetischen Regime. Bei einem der ersten Treffen mit der Kommunistischen Partei im Jahr 1939 soll der Komponist gewitzelt haben: „Befreit [von den Kommunisten] – da kann man nichts mehr machen…“ (Quelle Ukrainian Art Song Project)

Vladislav Zaremba (1833-1902) Er war Autor von Liedern und Romanzen in ukrainischer und polnischer Sprache, darunter 30 Werke für Gesang und Klavier nach Texten von Taras Schewtschenko („Musik zum Kobzar“). Er übersetzte eine Reihe ukrainischer Volkslieder für Klavier. Er stellte Sammlungen von Musikliteratur für Kinder zusammen – das Vokalwerk „Liederbuch für unsere Kinder“ (poln. Spiewnik dia naszych dziatek) und das Klavierwerk „Der kleine Paderewski“ (poln. Mały Paderewsky). Zarembas Kompositionen zeichnen sich durch bescheidene technische Mittel und eine gewisse Monotonie der Stimmungen aus, dennoch sind seine besten Werke und Arrangements („Ich schaue in den Himmel“, „Das ist ihr Schicksal“ usw.) bis heute sehr beliebt. Wladyslaw Zaremba begann seine pädagogische Tätigkeit 1853 als Klavierlehrer an der Schule von Anton Kotsipinsky in Kamianets-Podilskyi, dem damaligen Zentrum der Provinz Podolsk.
Eine Veranstaltung von Ukrainehilfe Berlin e.V.